Jocelyne Saab wurde 1948 in Beirut geboren und starb 2019 in Paris. Die Viennale (22. Oktober bis 3. November) widmet ihr eine eigene „Kinematografie“: sechs Filme in zwei Programmen, jedes zweimal gezeigt.
Wann und wo
Heute um 12 Uhr läuft die Beirut-Trilogie: „Beyrouth, jamais plus“ (Beirut, nie mehr; 1976, 37 Minuten), „Lettre de Beyrouth“ (Brief aus Beirut; 1978, 50 Minuten) und „Beyrouth, ma ville“ (Beirut, meine Stadt; 1982, 37 Minuten).
Am Montag um 12:30 folgt zum letzten Mal das Programm „No past, no future“ mit „Les Enfants de la guerre“ (Die Kinder des Krieges; 1976, 12 Minuten), „Égypte, la cité des morts“ (Ägypten, die Stadt der Toten; 1977, 37 Minuten) sowie „Iran, l’utopie en marche“ (Iran, die Utopie unterwegs; 1980, 60 Minuten).
Beide Vorstellungen sind im Kinosalon des Metro Kinokulturhauses, Johannesgasse 4 im 1. Bezirk (U1, U3 Stephansplatz). Der Saal hat laut Filmarchiv Austria 80 Plätze. Gezeigt wird im Original mit englischen Untertiteln (OmeU). Zu Gast ist laut Viennale Mathilde Rouxel von der Association Jocelyne Saab; an welchem Tag, steht nicht dabei.
Was am Montag läuft
„Les Enfants de la guerre“ entstand 1976, kurz nach dem Massaker im Beiruter Armenviertel Karantina. Saab filmt überlebende Kinder am Strand, die sich aus dem Holz von Strandstühlen Gewehre und Granatwerfer gebaut haben. Laut Programmtext dreht sie den Ton ab, zeigt ihr Spiel in Zeitlupe und gibt ihnen später Papier und Stifte.
„Égypte, la cité des morts“ (1977) führt in Kairos bewohnte Totenstadt. Dort haben Menschen Mausoleen zu Wohnungen umgebaut. Das Leben auf dem Friedhof sei süß, sagt dort eine junge Frau: kein Gedränge, keine Autos.
Im Iran-Film tritt laut Programm die Fernsehreporterin Saab am deutlichsten hervor. Sie drehte ihn 1980, kurz nach der Revolution, beim Freitagsgebet und in einer Teppichmanufaktur, und sie fragte Frauen vor der Kamera nach dem Schleier.
Wer Jocelyne Saab war
Laut der Association Jocelyne Saab, die ihren Nachlass betreut, studierte sie politische Ökonomie in Beirut und Paris und arbeitete für Radio und Fernsehen im Libanon, dann als Kriegsreporterin für das französische Fernsehen. Der damalige Sender ORTF schickte sie nach Ägypten, Syrien, in den Irak, nach Libyen und Palästina, 1973 auch zum Oktoberkrieg. Als 1975 der Bürgerkrieg im Libanon begann, kehrte sie zurück und filmte ihr Land als freie Journalistin.
Daraus entstand die Trilogie. „Lettre de Beyrouth“, ein Brief an einen erfundenen Freund im Exil, schrieb sie mit der Dichterin und Künstlerin Etel Adnan; Teile sind in einem öffentlichen Bus gedreht. „Beyrouth, ma ville“ beginnt mit Saab in den verbrannten Resten des Hauses ihrer Familie. Den Off-Text schrieb und sprach der Theaterautor Roger Assaf.
Ihr erster Spielfilm, „Ghazal al-Banat“ (1985), lief in Cannes in der Quinzaine des Réalisateurs.
Die Viennale nennt Saabs Kino eines, das „vom Anderen her denkt“, getragen von „Liebe zu den Opfern und Ironie gegenüber den Mächtigen“. Saab selbst sagte laut englischem Programmtext: „Jedes Mal, wenn ich einen Film gemacht habe, war das in einer bestimmten politischen Phase; jedes Mal hatte ich ein politisches Ziel.“ (eigene Übersetzung)
Karten
Karten gibt es im Viennale-Kalender, unter 01 526 594 769 (täglich 10 bis 20 Uhr, nur mit Kreditkarte) und an der Kasse im Metro, die eine Stunde vor der ersten Vorstellung des Tages öffnet. Bei ausverkauften Vorstellungen gibt das Festival 30 Minuten vor Beginn Wartenummern für Restkarten aus.


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