Auf dem Titelblatt steht in Großbuchstaben: Lexicon Arabico-Persico-Turcicum, ein arabisch-persisch-türkisches Wörterbuch. Darunter: „Iussu Augustissimae Imperatricis et Reginae Apostolicae nunc secundis curis recognitum et auctum“, auf Befehl der Kaiserin neu durchgesehen und erweitert. Ganz unten der Drucker, Joseph von Kurzböck, Wien, MDCCLXXX. Neben jedem Wort steht die lateinische Bedeutung, bei gebräuchlichen auch die italienische.
Das Exemplar der Wellcome Library ist vollständig im Internet Archive digitalisiert. Der erste Band allein, rund 850 Seiten, liegt gemeinfrei auf Wikimedia Commons.pdf).
Verfasst hat das Wörterbuch Franciszek Meniński (1623–1698), auf dem Titelblatt latinisiert zu Franciscus a Mesgnien Meninski. Er lernte Türkisch in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, war dort erster Dolmetsch der polnischen Gesandtschaft und wurde dann in Wien kaiserlicher Rat und erster Dolmetsch am Hof, so eine Geschichte der Akademie, die Victor Weiss von Starkenfels 1839 in Wien veröffentlichte. Die Erstausgabe erschien 1680 in Wien. Die arabischen Lettern bezahlte Meninski selbst, geschnitten hat sie Johann Lobinger aus Nürnberg. Das Geld reichte nur für eine kleine Auflage. Sie war bald vergriffen.
Die zweite Auflage besorgte die Orientalische Akademie selbst. Den ersten Band betreute Bernhard von Jenisch, laut dem Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich 1754 der erste Zögling der Schule. Die vier Bände erschienen zwischen 1780 und 1802. Maria Theresia bezahlte 100 Exemplare im Voraus, als einziger weiterer Vorbesteller kam der König von Polen dazu.
1674: achtzehn Hörer, drei bestanden
Sechs Jahre vor Meninskis Erstausgabe, 1674, erhielt der Gelehrte Johann Baptist Podestà laut Starkenfels die Erlaubnis, Vorlesungen „über die orientalischen Sprachen“ zu halten. Das Österreich-Lexikon AEIOU ergänzt, dass er an der Universität Wien las, auch über Koranrecht.
Erfolgreich war das nicht.
Von achtzehn Hörern bestanden nach drei Jahren nur drei die Prüfung. Sie durften mit ihrem Lehrer und dem kaiserlichen Gesandten nach Konstantinopel, um dort weiterzulernen. Podestà und Meninski stritten jahrelang, in Streitschriften. In einer davon ließ Meninski Lücken, wo die orientalischen Wörter hingehörten, und trug sie mit der Feder nach. In schlechten Lettern wollte er sie nicht drucken.
Der Bedarf war praktisch. Die europäischen Höfe verhandelten mit der Hohen Pforte, der osmanischen Regierung, mithilfe von Dolmetschern aus Pera, laut Starkenfels „der christlichen Vorstadt Konstantinopels“. Deren Loyalität trauten sie nicht. Wien schickte deshalb junge Untertanen mit seinen Gesandten mit, damit sie die Sprachen vor Ort lernten. Bei der österreichischen Vertretung in Konstantinopel gab es dafür ein „Sprachknaben-Institut“. Wann es gegründet wurde, steht bei Starkenfels nicht.
1754: eine Schule für die Interessen der Monarchie
1753 wurde Wenzel Anton Fürst Kaunitz Staatskanzler, so hält es das Bundeskanzleramt fest. Kurz darauf schlug er Maria Theresia vor, das Institut in Konstantinopel aufzulösen. Dessen Zöglinge hätten mangels Aufsicht die Vorbereitung auf ihren Beruf vernachlässigt, schreibt Starkenfels. Ersatz sollte eine Schule in Wien sein, „unter den Augen des kaiserlichen Hofes“.
Die Orientalische Akademie öffnete 1754 als staatliche Ausbildungsstätte für Diplomaten, anfangs geführt von Jesuiten. Gelehrt wurden Sprachen, vor allem Türkisch, dazu Allgemeinbildung und Recht, aber auch Fechten und Tanzen. Erster Direktor war laut Starkenfels der Jesuit Joseph Franz. Er war Erzieher eines Sohnes der Kaiserin und hatte zuvor in Konstantinopel als Sekretär des Gesandten Grafen Uhlfeld gearbeitet.
Von Kulturaustausch ist in den Disziplinargesetzen der Akademie keine Rede. Sie sei gegründet worden, „um mittelst derselben für die politischen und kommerziellen Interessen der österreichischen Monarchie im türkischen Reiche würdige Vertreter zu bilden“, zitiert Starkenfels.
In diesem Rahmen kam Arabisch vor. Franz von Dombay, 1758 in Wien geboren, widmete sich an der Akademie vor allem dem Arabischen. 1783 wurde er der Gesandtschaft beigegeben, die Joseph II. an den marokkanischen Hof schickte. 1800 veröffentlichte er in Wien eine Grammatik des marokkanischen Arabisch, die Grammatica linguae mauro-arabicae.
Einer der bekanntesten Schüler war Joseph von Hammer-Purgstall. Laut dem Österreichischen Biographischen Lexikon wurde er nach einem Probejahr aufgenommen und lernte von 1789 bis 1799 vor allem Türkisch und Persisch. Dann fuhr er über Donau und Schwarzes Meer nach Konstantinopel. Seine Geschichte der arabischen Literatur plante er später auf zwölf Bände. Sieben erschienen.
Von der Orientalischen zur Diplomatischen Akademie
Ab 1812 dauerte die Ausbildung fünf Jahre. 1833 wurde sie geteilt, in einen juristisch-diplomatischen Kurs mit fünf und ein Sprachstudium mit sechs Jahren. 1898 wurde aus der Schule die Konsularakademie, mit einer orientalischen und einer westlichen Sektion. Direkte Nachfolgerin ist die 1964 gegründete Diplomatische Akademie Wien, seit 1996 eine selbständige öffentliche Bildungseinrichtung. Sie sitzt in der Favoritenstraße 15a im vierten Bezirk.
Auf ihrer offiziellen Geschichtsseite kommt Arabisch kein einziges Mal vor.
Wissenschaftlich studiert wird Arabisch heute an der Universität. Das Institut für Orientalistik der Universität Wien zählt laut AEIOU zu den größten seiner Art in Mitteleuropa. Wer dort das Bachelorstudium Orientalistik beginnt, wählt einen von drei Schwerpunkten, einer davon heißt Arabistik und Islamwissenschaft.


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